Chronik
 
1905 Der Arbeitstag hatte noch zwölf Stunden. Die Dorfgemeinde Fischeln mit ihrer Hauptstraße, die von Krefeld nach Düsseldorf führte, ahnte noch nichts vom dröhnenden Straßenverkehr. Es war die Zeit der Jugendbewegung. Keimzelle für erste sportliche Aktivitäten war die Pfarre St. Clemens. Hier trafen sich Freunde des Fußballs und des Turnens. Im Ortsteil und Rektoratsbezirk Königshof fanden sich dann junge Männer zusammen, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, nach getaner Arbeit an den Sonn- und Feiertagen ihre Freizeit in der Natur zu verbringen. Auf den langen Wanderungen durch die schöne niederrheinische Landschaft kam man auch mit den Turnern des bereits 1897 gegründeten Dießemer Turnvereins in Kontakt. Die Dießemer luden den Königshofer Max Sünskes zum Besuch einer Turnstunde ein. Sünskes schaute sich eines Tages die gerade am Längspferd übenden Dießemer Turner an und erklärte, dass er das wohl auch könne. Peter Hertsches, der Bezirksturnwart, war zugegen. Er sprach den langen Max Sünskes an mit den Worten: "Nou Maenneke, treck dech mar ens ut on jaeff dech mar ens moet dran, dou koemms schon moet uewer." Der Aufforderung, es einmal zu probieren, folgte er und schon sprang er mit seinen langen Beinen elegant über das Längspferd. Sünskes war begeistert. Die Idee zur Gründung eines Vereins keimte. In Fischeln gab es jedoch keine Räumlichkeiten, in denen man einen Turnbetrieb hätte aufziehen können. Der Wirt Theodor Hoeren ( Inhaber der Restauration - Erholung - Theodor Hoeren" - spätere Gaststätte Welters, Kölner Str.) hatte gerade für seine Gastwirtschaft einen kleinen Saal gebaut. Er war bereit, diesen Saal als Turnsaal zur Verfügung zu stellen. Mundpropaganda führte dazu, dass sich am 5. Mai 1905 16 sportbegeisterte junge Männer aus Fischeln und Königshof als Gründungsmitglieder in der Gastwirtschaft von Theodor Hoeren trafen: Josef Basten, August Busch, Josef Dietsch, Fritz Frings, Mathias Geschwendt, Heinrich Heinrichs, Heinrich Hendricks, Theodor Hoeren jun., Karl Hoerschgen, Fritz Holz, Stefan Indenhock, Peter Kamper, Adolf Minkenberg, Hermann Stapmann, Max Sünskes und Heinrich Weiler. Der Bezirksturnwart Peter Hertsches war zugegen und leistete Hilfestellung in der Gründerversammlung, die Max Sünskes zum 1. Vorsitzenden wählte. Die Gründung des Fischelner Turnvereins muss in Königshof und Fischeln wie ein Zündfunke gewirkt haben. Die männliche Jugend beider Ortsteile fand sich im Verein zusammen. Die Gebrüder Basten stifteten die ersten Sportgeräte. Trotz knapper Mittel konnte man weitere Sportgeräte anschaffen. Zweimal in der Woche herrschte in dem kleinen Saal in der Gastwirtschaft Hoeren reger Sportbetrieb. Die sonntäglichen Wanderungen behielt man bei. Sie dienten dem Gedankenaustausch. Pläne wurden geschmiedet. Dem umsichtigen und genau rechnenden 1. Kassenwart Adolf Minkenberg, der ab 1907 1. Vorsitzender wurde, gelang es, von der Fa. Turnmeyer in Hagen/W. auf Kredit alle größeren Turngeräte zu erstehen.
 
1906 Bereits zum 17. Juni 1906 lud der Verein zu seinem ersten Stiftungsfest ein, das dann in den folgenden Jahren stets gefeiert wurde. Dieses Stiftungsfest war ein voller Erfolg. Die schnell ansteigende Mitgliederzahl brachte mehr Geld in die Kasse, so dass der Kredit alsbald abgetragen werden konnte. Man entschloss sich,

1910 eine Vereinsfahne anzuschaffen, die während des Stiftungsfestes vom stellvertretenden Bürgermeister Dollbaum am Sonntag, dem 19. Juni 1910 enthüllt und dem Verein förmlich übergeben wurde. Diese Fahne existiert heute noch; sie ist im Rathaus in Fischeln in einer Vitrine ausgestellt.
 
Das Stiftungsfest wurde am Samstag, dem 18. Juni, mit einer abendlichen Festgala in der Gaststätte Wolf (heute Bäkerhof, Marienstraße/Ecke Clemensstraße) eröffnet. Neben den Turnern des Vereins trugen der MGV Cäcilia, der Dießemer Turnverein und der Turnverein Jahn Bockum zum Gelingen dieser Festgala bei. Mitglieder und Gäste zahlten einen Eintritt von 30 Pfennig. Festumzug und Festball schlossen am folgenden Tag dieses Volksfest in Fischeln. In den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann der Fischelner Turnverein, sich in der Sportwelt am Niederrhein einen Namen zu machen. Die Berichte über die olympischen Spiele von 1908 in London hatten die Sportler beflügelt. Der Leistungsstand im Turnen erhöhte sich.
In einzelnen Städten wurden Turn- und Spielfeste fest etabliert, deren Traditionen bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg fortdauerten. In dieser Zeit des Friedens und sich allmählich bildenden Wohlstands erlebte der Verein seine erste große Blüte. Männer wie Heinrich Tempel, Heinrich Minkenberg, Stefan Indenhock, Fritz Holz, Fritz und Hans Frings und Gustav Küsters kehrten oft als Sieger von den Turnfesten zurück.
 
1914 - 1918 Der Erste Weltkrieg erschütterte den jungen Verein schwer. Die Mehrzahl der Mitglieder wurde im Laufe des Krieges eingezogen. An ein gedeihliches Arbeiten im Sport war nicht mehr zu denken. Die Daheimgebliebenen hatten nur die Möglichkeit, ihre Treue zum Verein durch Liebesgabenpakete für die im Feld stehenden Turner unter Beweis zu stellen. Von den 26 eingezogenen Sportlern des Vereins kehrten 15 aus dem Krieg nicht mehr zurück.
 
1919 - 1926 Das Ende des Krieges erlebten viele in Arbeitslosigkeit und Not. Adolf Minkenberg, unter dessen umsichtiger Führung der Verein zu großem Ansehen gelangt war, war noch 1918 gefallen. Die Wirtschaftskrisen während der ersten Jahre der jungen Republik und die Folgen der Inflation von 1923 ließen zunächst ein Wiederaufleben des Vereins nicht zu.
1927 Erst am Volkstrauertag 1927, an dem die Turner Josef Dietsch, Stefan Indenhock, Hans Kreggenwinkel, Fritz Meyer und Hermann Reiners die Vereinsfahne hervorholten, sie zum Ehrenmal trugen und der Gefallenen gedachten, entstand der Wunsch, den Verein wieder zu beleben.
 
1928 Bei einer Vereinsversammlung am 14. Juni 1928, wenige Tage vor dem Deutschen Turnfest in Köln, fand im Beisein des Bezirksvertreters Hein Toeller im Lokal "Wolf-Zens" (Bäkerhof) eine Eröffnungsversammlung statt. In der dann folgenden offiziellen Mitgliederversammlung am 1. August 1928 im Saal Theodor Hoeren in Königshof wurde in Anwesenheit von zehn alten Stammmitgliedern und 46 neuen Mitgliedern ein neuer Vereinsvorstand mit Josef Dietsch (1. Vors.), Wilhelm Lappen (2. Vors.), Hermann Reiners (Kassenwart), Ernst Wefers (Schriftführer), Walter Kurt (Turnwart) und Willi Maritzen (Spielwart) gewählt. Die Wiederbelebung des Vereins war hauptsächlich auf die Begeisterung für Feldhandball zurückzuführen. Diese Sportart erfreute sich zu jener Zeit großer Popularität - auch im Fischelner Turnverein 1905 -, so dass der Verein stetig wuchs und die sportlichen Erfolge nicht ausblieben. Bereits ein Jahr nach dem Wiederbeginn stieg im Frühsommer 1929 die 1. Handballmannschaft mit Franz Falkenstein, Willi Falkenstein, Eduard Küsters, Willi Maritzen, Hans Plenker, Heinrich Reiners, Mathias Reiners, Matthias Seerden, Karl Strucken, Winand Teusch, Heinrich Thielen und Peter Vogel in die Bezirksklasse auf.
 
1929 wurde eine Schülerabteilung mit 60 Schülern gebildet und erstmals wurden auch 26 Turnerinnen in den Verein aufgenommen. Zum 25-jährigen Jubiläum übernahm der Fischelner Turnverein die Ausrichtung des Bezirkssportfestes. Besonderen Anklang fand hierbei der Festzug mit über 1500 Teilnehmern. Zu dieser Zeit hatte der Verein bereits 172 aktive Mitglieder und 40 passive Mitglieder. Dieses Fest hatte wieder einen weiteren großen Zulauf an Mitgliedern zur Folge. Turnen für Männer, Frauen und Jugendliche und der Feldhandball bildeten die Schwerpunktsportarten im Verein. Man nahm am Landesturnfest 1934 in Aachen und den Deutschen Turnfesten 1933 in Stuttgart und 1938 in Breslau teil. Als Sieger kehrten aus Aachen heim: Willi Heyer, Peter Planker und Karl Pescher. Und aus Breslau waren es die Sieger Heinz Stahl und Albertine Assink. Auch die Handballer machten von sich Reden. Sie etablierten sich mit der 1. Mannschaft stets in den oberen Spielklassen.
 
1932 kam zu den Turnerinnen eine Abteilung Schülerinnen mit 36 Mädchen hinzu. Auch gründete man aus der Schülerabteilung ein Trommlerkorps. Damaliger Treffpunkt war der Tanzsaal der Gaststätte Hoeren-Dorn.
 
1933 - 1938 Es war die Zeit des völligen Umbruchs in der Gesellschaftsordnung unseres Landes. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wird die "Gleichschaltung" des öffentlichen Lebens in Deutschland eingeleitet. Bald sind ihre Auswirkungen bis tief in die Turn- und Sportbewegung hinein zu spüren. Die Sportvereine werden - soweit sie nicht sogar der Auflösung anheim fallen, wie z.B. die konfessionell gebundenen Sportvereine und die Arbeitersportvereine - in den Reichsbund für Leibesübungen überführt. Die Juden werden aus den deutschen Turn- und Sportverbänden ausgeschlossen. Die Nationalsozialisten setzen das sogenannte Führerprinzip auf allen Ebenen durch. Aus den 1. Vorsitzenden werden die "Vereinsführer", sofern sie den zuständigen Parteiorganen genehm sind. Die übrigen Mitglieder des Vorstands werden vom Vereinsführer "ernannt". Auch sie bedürfen der Zustimmung der Parteiorgane. Echte Wahlen finden ab sofort nicht mehr statt. Das "Heil Hitler" tritt an die Stelle des "Gut Heil". Als Beispiel für die radikalen Machtansprüche der Nationalsozialisten mag das Schicksal von DJK Olympia Fischeln 1926 dienen. Die DJK-Sportvereine waren als katholische Jugendsportvereine konfessionell gebunden. Der damalige Erste Vorsitzende von DJK Olympia Fischeln Josef Hürlimann, ein Schweizer Staatsbürger, wurde von den Nationalsozialisten aus dem Vorsitz verdrängt. Mit dem Verbot sämtlicher DJK-Vereine in Deutschland 1934 wurde auch DJK Olympia Fischeln verboten. Die cleveren Olympianer wussten sich aber zu helfen. Sie gründeten einen Kegelclub mit dem Namen "Olympia" und konnten über diesen Weg den kameradschaftlichen Zusammenhalt während des Dritten Reichs bewahren.
 
1934 gelang es dem Fischelner Turnverein, mit Ernst Wefers einen Vorsitzenden zu präsentieren, der trotz der Schwierigkeiten mit den nationalsozialistischen Behörden den Verein geschickt durch die Wirren des Dritten Reichs führte. Er war eine Persönlichkeit mit Ausstrahlungskraft und verstand es, die Selbständigkeit des Vereins zu erhalten. Er fand 1948 mit Franz Falkenstein einen Nachfolger, dem der Wiederaufbau des Vereins nach dem Zweiten Weltkrieg gelang. Nach 1934 kam es durch die Einführung der Wehrpflicht und den schnellen Aufbau der Wehrmacht zu starken Einschränkungen im Sportbetrieb des Fischelner Turnvereins. Die Sportler wurden entweder zur Wehrmacht eingezogen oder hatten sich in die Hitlerjugend und den Reichsarbeitsdienst einzugliedern. Hierunter litt insbesondere die Jugendarbeit in unserem Verein.
 
1939 - 1945 Während des zweiten Weltkrieges konnte man die Turngeräte in einer leeren Fabrikhalle von August Pannes in Königshof unterstellen. Durch dieses Entgegenkommen blieben die Geräte erhalten. Dagegen wurde der Übungssaal in der Gaststätte Theodor Hoeren in Königshof noch kurz vor Ende des Krieges von Bomben zerstört. Von 74 Sportlern wurden diesmal 23 Opfer des Krieges. Am 6. Oktober
 
1945 versuchten 21 aus dem Krieg heimgekehrte Turner bei einer Zusammenkunft bei dem Wirt Helmut Moog in der Gaststätte Weber-Union auf der Marienstraße die Vereinsgeschicke neu zu ordnen. Am 27. August
 
1946 gab sich der Verein eine neue Satzung, die von den Idealen der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts geprägt war. Als Zweck ist "die Förderung des deutschen Turnens und Sportes als Mittel zur körperlichen, geistigen und sittlichen Kräftigung sowie zur Erziehung anständig gesinnter deutscher Menschen" genannt. Nach der Werte zerstörenden Zeit des Dritten Reichs war es nur natürlich, dass in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bei den Menschen eine Rückbesinnung auf jene sittlichen Werte stattfand, die vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten Geltung besaßen und Richtschnur für ein geordnetes Leben war.
In dem Gesellschaftsraum des Wirtes Helmut Moog auf der Marienstraße fand man die Möglichkeit, den Übungsbetrieb wieder aufzunehmen. Doch diese Räumlichkeit wurde bald zu klein, so dass die Stadt Krefeld dem Verein zwei Übungsabende in der Turnhalle der Schule an der Buchenstraße zuwies. Die Handballabteilung wurde wieder sehr stark. Eine Mädelhandballabteilung wurde gegründet. Nach Abschluss der Serienspiele 1952/53 konnte im Sommer
 
1953 die Herrenmannschaft mit Fritz Buhrmann, Hans Dietsch, Klaus Empting, Hans Falkenstein, Hans Frings, Leo v. d. Heiden, Heinz Kolder, Hans Paar, Peter Planker, Hans Prangen, Harry Rath und Hermann Steinhaus den Aufstieg in die Bezirksliga feiern. Im selben Jahr fand wieder ein Deutsches Turnfest statt, diesmal in Hamburg; von den 15 Teilnehmern kehrten vier als Sieger zurück.

Als Fischeln 1929 in die Stadt Krefeld eingegliedert wurde, hatten die Stadtoberen den Fischelner Bürgern den Bau einer Turnhalle und einer Schwimmhalle versprochen. Bis es zum Neubau einer Turnhalle
- der Wienand-Teusch-Halle an der Wilhelmstraße/Ecke Kölner Straße - kam, vergingen 27 Jahre. Die Schwimmhalle wurde überhaupt erst nach 71 (!) Jahren eröffnet. Trotzdem feierte der Verein
 
1955 sein 50-jähriges Bestehen mit sportlichen Wettkämpfen auf dem Sportplatz am Mühlenfeld (Schlungs-Kull), mit einem großen Festumzug, einem Fest im Zelt auf dem Marienplatz und einer Abschlussveranstaltung auf dem Sportplatz. Schon zu Beginn des Jubeljahres fand eine sportliche Benefizveranstaltung statt, bei der die beiden ersten Mannschaften des VfR Fischeln und des Fischelner Turnvereins im Fußball und Handball aufeinander trafen. Der VfR gewann das Fußballspiel mit 1:0 und der Fischelner Turnverein das Handballspiel mit 8:4. Den Reinerlös von 140,90 DM spendeten beide Vereine der Pfarre St. Clemens für Bauarbeiten am Kirchturm von St. Clemens. 1956 konnte endlich der Übungsbetrieb in der Wienand-Teusch-Halle - benannt nach dem langjährigen Verwaltungsleiter der Außenstelle im Rathaus Fischeln - aufgenommen werden. Man musste sich aber die Halle mit den anderen ortsansässigen Vereinen teilen, so dass es in zunehmendem Maße, insbesondere nach dem Zulauf vieler Jugendlicher, zu großen Engpässen kam. Feldhandball wurde unattraktiv. Das Hallenhandballspiel setzte sich immer mehr durch. Der Verein schaffte mangels Hallenkapazität die Umstellung auf das Hallenhandballspiel nicht. 1963 musste die Handballabteilung geschlossen werden. Für die älteren Handballer wurde ersatzweise das Prellballspiel eingeführt, das bis heute Bestandteil des Übungsangebotes ist.
 
1970 trat Hans Paar als Vorsitzender die Nachfolge von Franz Falkenstein an. Es ist die Zeit des großen Bevölkerungszuwachses in Fischeln. Ein Mangel an Sportstätten machte sich jetzt deutlich bemerkbar. Das Angebot an Sportstätten in Fischeln wurde mit dem Bau der Turnhalle der Freiherr-vom- Stein-Schule und der Bezirkssportanlage erweitert. Ab sofort konnten in Fischeln während der Sommerzeit die Übungen für das Deutsche Sportabzeichen absolviert werden. Doch diese Sportanlagen reichten schon bald nicht mehr aus. Die in den Jahren
 
1976 und 1979 errichteten Turnhallen an der Hafelsstraße und am Wimmersweg sorgten kurzfristig für Entspannung. Auch der
 
1980 fertig gestellte Neubau des Maria-Sybilla-Merian-Gymnasiums mit seiner Dreifachsporthalle brachte eine gewisse Entzerrung im Sportbetrieb. In diesem Jahr feierte der Verein sein 75-jähriges Bestehen. Er hat 660 Mitglieder. Die stetig anwachsende Be völkerung in Fischeln machte sich auch beim Fischelner Turnverein bemerkbar. Das Sportangebot wurde ausgeweitet. Der Verein begann sich in einen Breitensportverein zu wandeln. Volleyball als Freizeitsport wurde immer beliebter.
Die Zahl der Gymnastikgruppen nahm zu, Gruppen für Bewegung mit Musik für Kinder, Mutter- und Kindturnen sowie Tanzgruppen bildeten sich. Das spielerische Turnen für Kinder im Vorschulalter und im Grundschulalter wurde immer wichtiger. Doch der Leistungssportbereich wurde zunächst weiterhin durch das Turnen bestimmt. Unter der umsichtigen Führung von Hermann Hirthe (1. Vorsitzender von 1982 bis 1989) und dem erfahrenen Übungsleiter Jakob Becker erlebte der Verein noch einmal eine Blüte des Leistungsturnens. Eine Gruppe junger Turner und Turnerinnen hatte sich Anfang der achtziger Jahre zusammengefunden. Jakob Becker erkannte ihre großartige Begabung. Man förderte sie, wo man konnte. Den Turnern Heiner Ackermann, Eric und Kai Blonske, Jan Dollbaum, Uwe Hirthe, Stephan Kolnsberg, Thomas Knorr, Ulrich und Gregor Lisson, Frank Noak, Guido Schöberl, Klaus Schumacher, Kay Stammschroer, Ralf Stürmer und den Jugendturnern Stefan Hain, Tobias Löhr, Stefan Scharf, Thorsten Vollborn und Tim Wemhörner gelang es, in der Spitze des Rheinischen Turnerbundes mit zu turnen. Bei den Mädchen gesellten sich Ursula Hirzmann, Anke Hirthe, Anja Müller und Almut Wittfeld hinzu. Ulrich Lisson wurde 1985 Rheinischer Meister, Stephan Kolnsberg wurde Dritter. Im selben Jahr wurde Ursula Hirzmann Rheinische Meisterin. Der Vorstand und Jakob Becker als Oberturnwart erkannten, dass eine Förderung dieser jungen talentierten Turner und Turnerinnen nur noch mit einem hoch qualifizierten Turntrainer möglich war. In den Jahren 1987 bis 1989 wurde ein Trainer von der Deutschen Sporthochschule engagiert.
 
1989 übernahm Udo Vollborn den Vorsitz. Er drängte auf noch stärkere Förderung der begabten Turner. 1993 gewannen die Fischelner Turner mit Kolnsberg, Stammschroer und Olaf Krull (Mitglied des Mädelturnvereins) sowie mit den Fischelner Jugendturnern Ackermann, Hain, Löhr, Scharf, Vollborn und Wemhörner zum ersten Mal den Wanderpokal im Drei-Gaue-Vergleichs-Kampf zwischen Krefeld, Aachen und Mönchengladbach. Stephan Kolnsberg wurde 1993 Rheinischer Meister im Deutschen Zehnkampf. Kay Strammschroer und Stephan Kolnsberg turnten von 1991 bis 1995 für die Turngemeinde Neuss in der Rheinischen Oberliga. Bei den Mädchen wuchsen begabte Turnerinnen nach. Die Leichtathletikabteilung wurde zu einer starken leistungsorientierten Fachschaft. Der Breitensport mit seinen Unterabteilungen wurde zur stärksten Gruppe innerhalb des Vereins.
 
1995 wurde der Verein 90 Jahre alt und zeigte einen sportlichen Bilderbogen im Rahmen eines Bürgerfestes auf dem Marienplatz mit Showdarbietungen aus den einzelnen Abteilungen und feierte im Stadtwaldhaus mit einem großen Fest- und Tanzabend. In diesem Jahr erreichte der Verein mehr als 1000 Mitglieder. Die Tendenz zum Breitensportverein weitete sich aus. Rhönradturnen, Judo, Aerobic, Jazztanz kamen hinzu. Im Hinblick auf die Größe des Vereins wurden Überlegungen angestellt, die Vereinsführung zu straffen. Der Verein sollte in Fachschaften gegliedert werden. Ein Delegiertensystem sollte eingeführt werden. Die Delegiertenversammlung sollte als höchstes Vereinsorgan die Geschicke des Vereins bestimmen. Dieses Grundkonzept entsprach den Prinzipien, nach denen heute einige Großvereine mit professioneller Geschäftsführung geführt werden. Im Herbst 1997 kam es zu zwei außerordentlichen Mitgliederversammlungen, in denen die neue Satzung vorgestellt wurde. Die Mitglieder lehnten in beiden Mitgliederversammlungen die neue Satzung ab. Nunmehr bildete sich unter der Führung des Vorstands eine Initiative von Mitgliedern und Eltern von jugendlichen Mitgliedern, die befürchteten, dass der Verein ohne die neue Satzung den Anforderungen unserer Gesellschaftsordnung nicht mehr gewachsen sein würde. Im Frühjahr 1998 gründete diese Gruppe unter der Führung des Vorstands des Fischelner Turnvereins 1905 e.V. einen neuen Verein, den Fischelner Sportverein 1998 e.V. Etwa 275 Mitglieder und eine große Zahl Übungsleiter wechselten in den neuen Verein. Viele Mitglieder verließen den Fischelner Turnverein; sie wechselten auch nicht in den neuen Verein. Der Vorstand des Fischelner Turnvereins 1905 e.V. trat Ende März 1998 geschlossen zurück. Der Fischelner Turnverein 1905 e.V. war in diesem Moment ohne Vorstand. Eine im April
 
1998 einberufene Mitgliederversammlung wählte einen vollständig neuen Vorstand mit Albrecht von Saldern als 1. Vorsitzenden, Klaus Schumacher (2. Vorsitzender), Susanne Rauh (Geschäftsführerin), Sylvia Sachon (Kassiererin) und Emil Reyermann (Sportbeauftragter). Am 1. Juli 1998 hatte der Fischelner Turnverein nur noch 720 Mitglieder. Oberstes Ziel des neuen Vorstandes war es, wieder Ruhe in den Verein einkehren und den Sportbetrieb ungestört weiter laufen zu lassen. Dem neuen Vorstand gelang es, neue Übungsleiter zu gewinnen. Dem Einsatz der verbliebenen und der neuen Übungsleiter und Helfer war es zu verdanken, dass der Fischelner Turnverein seine Sportgruppen wieder ausbauen konnte. Neben dem Turnen gewann die Leichtathletik zunehmend an Bedeutung. In Emil Reyermann fand sich ein erfahrener Übungsleiter, der bereit war, sich in die Trainingsmethoden der Leichtathleten einzuarbeiten. Im Jahr 2000 wurde eine Basketballabteilung gegründet. Es stellt sich bald heraus, dass die Aus- und Fortbildung für die Übungsleiter immer teuerer wird. Man kann den ausbildungswilligen potentiellen Übungsleitern den Kostenaufwand für mehrwöchige Lehrgänge kaum noch zumuten. Im Februar 2003 beschloss der erweiterete Vorstand, dass der Verein ab sofort die Kosten für die Aus- und Fortbildung der Übungsleiter übernimmt. Diese Entscheidung erwies sich als segensreich. Es fanden sich vor allen Dingen junge Sportler, die bereit waren, einen Übungsleiterlehrgang zu besuchen. Die älteren Übungsleiter nahmen die Fortbildungsangebote des Rheinischen Turnerbundes, des Landessportbundes, des Stadtsportbundes und einzelner Fachverbände gern an.
 
Und heute? Dem Zulauf an Mitgliedern, auch bei den anderen Fischelner Sportvereinen, können die Hallenkapazitäten kaum noch gerecht werden. Doch dieses Problem bewältigen die Übungsleiter zusammen mit den Mitgliedern in hervorragender Weise. Der Zuwachs von mehr als 300 Mitgliedern in den letzten sechs Jahren auf nunmehr über 1000 Mitglieder beweist, dass sich der Fischelner Turnverein weiterhin großer Beliebtheit erfreut. Das Gemeinschaftsgefühl im Verein wächst. Neben den Übungsabenden beginnen Gemeinschaftsveranstaltungen wie Sommerfeste, Adventsfeiern, Wanderungen und Fahrten zu den Deutschen Turnfesten zunehmend an Bedeutung zu gewinnen. Auch trägt der Fischelner Turnverein der Nachfrage nach Gesundheits- und Seniorensport in verstärktem Maße Rechnung. Die Kosten für die erforderlichern Spezialausbildungen der Übungsleiter werden vom Verein übernommen. Viele Bürger wissen, dass die sportliche Betätigung der Gesundheit, der Geselligkeit und der Integration dient. Sie suchen die preiswerte, gesundheitsfördernde und kinderfreundliche Alternative zu Fitnessstudios und anderen teureren Kursangeboten. Rund fünfzig Übungsleiter und Helfer stehen jährlich an 3500 Übungsstunden den Mitgliedern des FTV zur Verfügung. Mit diesem Angebot passt sich der Verein den Bedürfnissen der Bevölkerung an: Er bietet Ausgleich, Erholung, Sport und Spaß!
 
Recherche und Zusammenstellung: Albrecht von Saldern